Midnight-Double gemeistert

Es ist vollbracht. Wir hatten vor drei Wochen noch daran gedacht, dass der gewählte Termin durchaus schon recht kalt sein könnte, aber mit -4 bis -6 °C hatten auch wir nicht gerechnet.

Am Samstag 22:12 starteten Bobat und ich an der ungefähren Startlinie des Leipzig Marathons am Sportforum, um uns die knapp 21,1km zu machen. Es sollten ein paar Meter mehr werden, zum Einen weil wir nicht die Straßen nutzen konnten, sondern immer wieder die Gehwege samt Ampeln an Kreuzungen nehmen mussten und zum Anderen, weil wir nach etwas über 2h nicht mehr in ruhigem Tempo zum Auto zurück wollten um nicht fest zu frieren. Aber der Reihe nach:

Pünktlich 3 Sekunden nach dem Start die erste rote Fußgängerampel, welche wir galant ignorierten und hinter dem einzig wartenden Auto überquerten. Dann ging es los. Die Knochen waren spürbar, dank der Kälte. Ich kam aber recht früh in einen runden Laufstil. Meine zwei Teller Nudeln von 18:30 Uhr waren gut verdaut und der Getränkehaushalt mit Apfelschorle behutsam aufgebaut.

Meine Idee ab und zu ein Foto mit dem Handy für Dokumentationszwecke zu machen verwarfen wir, weil Stehenbleiben sofort an die Substanz ging. Die Körper wollten bewegt werden um nicht zu frieren. In der Elsterstraße gab die ersten Ungläubigen welche gerade aus dem Tonellis auskehrten. “Das glaub ich jetzt nicht”, wir auch noch nicht so recht, aber was man sich vornimmt muss man auch halten. Am Petersteinweg hatten wir dann den ersten kleinen Verlaufer, welcher uns aber nicht viel Zeit kostete. Irgend eine Baustelle war daran schuld.

Fast den ganzen Lauf über unterhielten wir uns gemütlich und ohne Probleme. So sollte das sein. Von den Klamotten her waren wir auch ähnlich unterwegs. Bobat hatte ein lange Unterhose unter der Laufhose. Ich entschied mich für Laufhose mit kurzer Laufhose drüber und fuhr damit auch gut. Obenrum liefen wir mit Unterhemd, Shirt (kurz), Shirt (lang) und Laufjacke. Ich hatte einen Buff um den Hals und einen um die Ohren. Bobat zwei um den Hals und ne Laufmütze aufm Kopf. Handschuhe hatten wir beide vergessen und uns die Wechselsocken als Ersatz mitgenommen. Nach fünf Minuten liefen wir ohne weiter, weil die Hände nicht froren.

Es folgte die Prager Straße gleich nach dem Radisson Hotel. Das vielleicht ödeste Stück der Strecke. Kilometerlang gerade aus durch eine nicht so interessante Gegend.

Am Völkerschlachtdenkmal dann das erste “Aha”-Erlebnis. Vom Frost eingenebelt erstrahlten die frisch renovierten Figuren in einem kalten Weiß. Da machten wir dann doch mal ein Foto. 22:49 sagte die Uhr. Die Nettozeit (wir stoppten die Uhr an Ampeln) war marginal kürzer.

Das Foto ist dank mangelnder Isofähigkeit und kurzer Verschlusszeit sehr verrauscht und düster geworden, hat aber was. Danach wurde die Prager Straße zur Baustelle und wir liefen einige Meter auf den eingeschneiten Gleisen der Linie 15 bevor auf den Gehweg links der Fahrbahn wechselten. Plötzlich waren wir auch schon an der Sparkasse und bogen in die Probstheidaer Straße ein. Dies war der einsamste Teil der gesamten Strecke, unsere Tagesform steigerte sich allerdings von hier an ihrem Höhepunkt entgegen und wir liefen nun beide flüssig und etwas schneller. Das kurze Stück Zwickauer Straße brachte uns auf die Richard-Lehmann-Straße. Auf dieser hatten wir unsere Hochphase und wahrscheinlich schnellste Pace von gefühlten 5 Minuten. Ab der August-Bebel-Straße verlangsamte sich unser Lauf wieder. An der Heimat wurde die Liebste noch einmal angerufen und zum Balkon gewunken. Und auf den letzten 5 Kilometern merkten wir nun deutlich Muskeln und teilweise die Gelenke. Die Kälte hatte uns ordentlich zugesetzt. Außerdem haftete an unseren Jacken das Kondenswasser, so dass eine Abluft nicht mehr wie zu Beginn gegeben war und wir froren nun auch leicht. Dies war aber alles egal, weil wir definitiv wussten, dass wir ohne ernsthafte Probleme ankommen würden

Die Start-/Ziellinie passierten wir bei 2:03h und 2:05h waren wir am Auto. Mit 2 Stunden hatten wir gerechnet, Lagen also, nimmt man die kleinen Umwege mit dazu, gar nicht so verkehrt.

Viel mehr Tempo wäre für uns in dieser Nacht allerdings nicht möglich gewesen, weil uns das nach Hinten heraus sicherlich umgehauen hätte. Das nächste Midnight-Double dieser Art wird sicherlich an einem lauen Sommerwochenende stattfinden, wobei man dann auch mal ein Radler auf der Karli einbauen kann.

Das Umziehen in die mitgebrachten zivilen Sachen wurde nochmal ein kleines Highlight. Bobats warmes Wasser war immernoch lauwarm und für eine Katzenwäschen geeignet. Mit Abschluss der Umzieh-/Waschaktion kam der Hammer in Form von Eiseskälte. Der Körper stellte auf Pause um und noch war die Energie aus unserem Früchtetee mit Schuss noch nicht angekommen. Ich fragte mich auf dem Fussweg in die Innenstadt ernsthaft wie es möglich war kurz vorher bei dem gleichen Wetter so lange Laufen zu können, aber so ist das halt…

KW47 09,90 | 03,40 | 03,20 | 02,80 | 01.86 | 20,00 | 02,00 (43,16km)

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